Candy Welz · Knoche 2016

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  • 30. April 2018 — Bibliothek und Museum in Crocetta di Montello/​Italien

    Crocetta di Montello Museum

    Crocetta liegt an der Südseite der Alpen im Veneto, da wo der Prosecco erfunden wurde. Die Gemeinde mit ihren 6000 Einwohnern verfügt über eine Bibliothek mit dreimal soviel Büchern – eine Quote, die eine Öffentliche Bibliothek in Deutschland selten erreicht – und ein Museum zur Ur- und Frühgeschichte mit Tausenden von Originalzeugnissen.

    Bibliothek und Museum sind gemeinsam in der großen Villa Ancilotto, einer ehemaligen Herberge aus dem 17. Jahrhundert, untergebracht und arbeiten eng zusammen. Die Bibliothek befindet sich im Erdgeschoss, die Kurs- und Aktionsräume liegen im 1. Stock, und das Museum präsentiert sich im Obergeschoss. Beide Einrichtungen haben sich ganz auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eingestellt.

    Das Museum z.B. führt pro Jahr fast 1000 Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit den Schulen durch: Klassenführungen, Unterrichtseinheiten im Museum, Museumsnächte, Sommerkurse. Zu bestaunen sind u.a. ein Mammutskelett, das Ei eines Dinosauriers (Sauropoden) und verschiedenste prähistorische Werkzeuge. Die Bibliothek bietet zwar auch Lesestoff für Erwachsene an, aber im Mittelpunkt stehen die Angebote für Kinder im Alter von 0 bis 16 Jahren: von einer Krabbelecke mit Bilderbüchern über die gesamte Dinosaurier-Literatur für die Achtjährigen bis hin zur anspruchsvollen Lektürehilfe für die Hausaufgaben der älteren Schüler.

    Die Gemeinde kann dem Museum keine Zuschüsse gewähren, sondern nur die Übernahme der Kosten für Führungen und Kurse der örtlichen Schulklassen in Aussicht stellen. Die wenigen Beschäftigten arbeiten mit unsicherer und kärglicher Entlohnung, aber ihr Engagement für die Sache hängt davon nicht ab. Der gute Geist hinter den Kulissen ist seit 20 Jahren der Archäologe und Künstler Antonio Paolillo.

    Bibliothek und Museum werden fachlich professionell betrieben und ihre Inhalte didaktisch hervorragend vermittelt. Das ganz und gar Außergewöhnliche ist die enge Kooperation der beiden Einrichtungen in dieser winzigen Gemeinde. Ausgerechnet in dem Land, das durch den jahrelangen Kulturabbau in der Ära Berlusconi gelitten hat, findet sich ein Beispiel für nachhaltige Kultur- und Bildungsarbeit an der Basis. Gibt es Vergleichbares in Deutschland?

    Die Einwohner von Crocetta wussten, warum sie den Heiligen Josef zum Namenspatron wählten: Er hat als Zimmermann nicht viel geschwätzt, sondern was aufgebaut.

    http:/​/​ecomuseoglobale.it/​

    Michael Knoche z. Z. Rom